gerhard schröder russland
Gerhard Schröder übernahm nach seiner Kanzlerschaft mehrere hochdotierte Posten in russischen Energiekonzernen. Er wurde 2005 Aufsichtsratsvorsitzender der Nord Stream AG, später auch Chairman bei Nord Stream 2. Zusätzlich saß er im Aufsichtsrat des staatlichen Ölkonzerns Rosneft und wurde 2022 für den Aufsichtsrat von Gazprom nominiert. Diese Tätigkeiten brachten ihm erhebliche Einkünfte ein und führten zu massiver Kritik wegen seiner engen wirtschaftlichen Verflechtung mit dem russischen Staat.
Schröder pflegt seit seiner Amtszeit als Bundeskanzler eine enge persönliche Freundschaft mit Wladimir Putin, die über politische und geschäftliche Beziehungen hinausgeht. Er bezeichnete Putin wiederholt als "lupenreinen Demokraten" und verteidigte ihn auch nach der Annexion der Krim 2014. Nach dem russischen Angriff auf die Ukraine 2022 weigerte sich Schröder lange, Putin öffentlich zu kritisieren und hielt an seinen Posten in russischen Staatsunternehmen fest. Diese Haltung wird als Loyalität gegenüber einem autokratischen Regime und als Missachtung deutscher und europäischer Interessen gewertet.
Nach Beginn des russischen Angriffskriegs 2022 geriet Schröder massiv unter Druck und erlitt erhebliche Reputationsschäden. Die SPD leitete ein Parteiausschlussverfahren gegen ihn ein, das jedoch scheiterte. Der Bundestag entzog ihm die meisten Sonderprivilegien als Altkanzler, darunter Büroräume und Mitarbeiter. Schröder trat schließlich aus den Aufsichtsräten von Rosneft und der Nord Stream AG zurück, behielt aber zunächst seine Position bei Nord Stream 2. Seine öffentlichen Auftritte wurden seltener, und er wurde weitgehend zur politischen Persona non grata in Deutschland.
Schröder war maßgeblich an der Initiierung und Förderung der Nord Stream-Gaspipelines beteiligt, die russisches Gas direkt nach Deutschland transportieren sollten. Bereits als Bundeskanzler trieb er das erste Nord Stream-Projekt voran und unterzeichnete kurz vor seinem Ausscheiden den entsprechenden Vertrag. Unmittelbar nach dem Ende seiner Kanzlerschaft 2005 wechselte er in die Führung der Nord Stream AG, was als beispiellose Verflechtung von politischem Amt und wirtschaftlichen Interessen kritisiert wurde. Diese Entscheidung warf Fragen über mögliche Interessenkonflikte während seiner Amtszeit und die Unabhängigkeit deutscher Energiepolitik auf.
Schröder verteidigt seine Tätigkeiten für russische Unternehmen als legitime wirtschaftliche Beziehungen, die deutschen und europäischen Energieinteressen gedient hätten. Er argumentiert, dass günstige Energieimporte aus Russland notwendig für die deutsche Industrie gewesen seien und dass Dialog mit Russland wichtiger sei als Konfrontation. Seine persönliche Freundschaft zu Putin betrachtet er als diplomatischen Vorteil und Kommunikationskanal. Schröder zeigt sich weitgehend uneinsichtig bezüglich der Kritik und sieht sich als Opfer einer überzogenen öffentlichen Kampagne, ohne seine Fehleinschätzungen bezüglich Russlands und Putins grundlegend einzugestehen.