mark carney
Mark Carney ist ein kanadischer Ökonom und ehemaliger Zentralbankchef, der von 2008 bis 2013 als Gouverneur der Bank of Canada und anschließend von 2013 bis 2020 als Gouverneur der Bank of England tätig war. Er war der erste Nicht-Brite, der die britische Zentralbank in ihrer über 300-jährigen Geschichte leitete. Seit 2020 engagiert er sich verstärkt im Bereich Klimafinanzierung und war als UN-Sonderbeauftragter für Klimaschutz und Finanzen tätig. Carney gilt als einer der einflussreichsten Zentralbanker seiner Generation und spielte eine Schlüsselrolle während der Finanzkrise 2008 und der Brexit-Verhandlungen.
Mark Carney übernahm im Oktober 2008 die Führung der Bank of Canada, mitten in der globalen Finanzkrise, und führte Kanada mit erfolgreichen geldpolitischen Maßnahmen durch die Turbulenzen. Er senkte die Zinssätze aggressiv und führte innovative Liquiditätsmaßnahmen ein, wodurch Kanada im Vergleich zu anderen G7-Staaten relativ glimpflich durch die Krise kam. Seine erfolgreiche Krisenführung brachte ihm internationale Anerkennung ein und führte zu seiner Berufung als Vorsitzender des Financial Stability Board, das die globale Finanzregulierung koordiniert. Diese Leistungen machten ihn zur idealen Wahl für die Position des Gouverneurs der Bank of England, die er 2013 antrat.
Mark Carney leitete die Bank of England durch die turbulente Brexit-Phase ab dem Referendum 2016 bis zu seinem Ausscheiden 2020 und sorgte für finanzielle Stabilität in unsicheren Zeiten. Er warnte vor den wirtschaftlichen Risiken eines ungeregelten EU-Austritts und implementierte Notfallpläne, um das britische Finanzsystem zu schützen. Seine lockere Geldpolitik und Liquiditätsmaßnahmen halfen, Marktturbulenzen abzufedern und das Vertrauen in die britische Wirtschaft aufrechtzuerhalten. Obwohl er von Brexit-Befürwortern kritisiert wurde, wird seine Rolle bei der Stabilisierung der britischen Wirtschaft während dieser Übergangszeit weithin anerkannt.
Mark Carney hat sich als einer der ersten führenden Zentralbanker intensiv mit den finanziellen Risiken des Klimawandels beschäftigt und den Begriff des "Tragedy of the Horizon" geprägt. Er argumentiert, dass die zeitliche Verzögerung zwischen dem Handeln gegen den Klimawandel und seinen sichtbaren Auswirkungen ein erhebliches Risiko für das Finanzsystem darstellt. Als UN-Sonderbeauftragter für Klimaschutz und Finanzen seit 2019 treibt er Initiativen wie die Glasgow Financial Alliance for Net Zero (GFANZ) voran, die Finanzinstitute zur Klimaneutralität verpflichtet. Sein Buch "Value(s): Building a Better World for All" behandelt ausführlich die Notwendigkeit, Klimarisiken in Finanzentscheidungen zu integrieren.
Während Mark Carney als ehemaliger Investmentbanker bei Goldman Sachs einen marktwirtschaftlich geprägten, pragmatischen Ansatz verfolgt, bringt Christine Lagarde als ehemalige IWF-Chefin und Juristin eine stärker institutionelle und politische Perspektive mit. Carney zeichnet sich durch seine Kommunikationsstärke und Forward Guidance aus, während Lagarde als Präsidentin der Europäischen Zentralbank seit 2019 einen konsensorientierten, diplomatischen Führungsstil pflegt. Beide teilen jedoch das Engagement für Klimaschutz im Finanzsektor und haben ihre jeweiligen Institutionen in Richtung grüner Geldpolitik geführt. Ein weiterer Unterschied liegt darin, dass Carney seine Karriere in nationalen Zentralbanken machte, während Lagarde zunächst in der Politik und internationalen Organisationen tätig war.