seidenschwanz
Der Seidenschwanz ist ein etwa starengroßer Singvogel mit einem charakteristischen, seidig wirkenden Gefieder in bräunlich-grauen Tönen. Besonders auffällig sind die spitze Federhaube am Kopf, die schwarze Augenmaske, die gelbe Schwanzbinde und die roten, wachsartigen Anhängsel an den Flügelfedern, die ihm seinen Namen geben. Mit einer Körperlänge von etwa 18-21 cm und seinem kompakten Körperbau ist er unverwechselbar. Sein Gefieder wirkt besonders glatt und seidig, was zusammen mit der eleganten Erscheinung einen außergewöhnlich ästhetischen Vogel ergibt.
Seidenschwänze sind Wintergäste aus dem hohen Norden und erscheinen in Deutschland hauptsächlich zwischen November und März. Sie brüten in der Taiga Skandinaviens, Sibiriens und Nordamerikas und ziehen nur bei Nahrungsknappheit in größeren Schwärmen nach Mitteleuropa. Diese sogenannten Invasionsjahre treten unregelmäßig auf, abhängig vom Beerenvorkommen in ihren Brutgebieten. In Deutschland bevorzugen sie Parks, Gärten und Alleen mit beerenreichen Sträuchern wie Vogelbeeren, Weißdorn oder Zierapfelbäumen. Die besten Beobachtungschancen hat man in städtischen Gebieten, wo sie oft in größeren Trupps auftreten.
Seidenschwänze ernähren sich hauptsächlich von Beeren und Früchten, besonders von Vogelbeeren, Weißdorn, Misteln, Zierapfelfrüchten und Hagebutten. Im Sommer während der Brutzeit ergänzen sie ihren Speiseplan mit Insekten, die sie im Flug fangen. Um Seidenschwänze in den Garten zu locken, sollten Sie beerentragende Gehölze pflanzen und die Früchte im Herbst nicht entfernen. Die Vögel können erstaunliche Mengen an Beeren verzehren – ein einzelner Vogel schafft bis zu 1000 Beeren am Tag. Besonders beliebt sind überreife, leicht vergorene Früchte, die sie in großen Schwärmen regelrecht abernten.
Der Name Seidenschwanz bezieht sich auf das besonders weiche, glatte und seidig glänzende Gefieder des Vogels, das ihm ein elegantes Aussehen verleiht. Die auffälligen roten, wachsartigen Anhängsel an den Enden der Armschwingen sind verbreiterte und abgeflachte Federschäfte, die wie Siegellack wirken. Diese einzigartigen Strukturen gaben der Vogelfamilie auch ihren wissenschaftlichen Namen Bombycillidae. Die Funktion dieser Wachsplättchen ist nicht vollständig geklärt, doch sie spielen vermutlich eine Rolle bei der Partnerwahl, da ältere Vögel mehr dieser Anhängsel besitzen als jüngere.
Der Seidenschwanz gilt derzeit nicht als gefährdet und hat einen stabilen Gesamtbestand in seinen zirkumpolaren Brutgebieten. Die Art profitiert von ihrer Anpassungsfähigkeit und der Fähigkeit, auf wechselnde Nahrungsbedingungen durch Wanderungen zu reagieren. In Deutschland ist der Seidenschwanz kein Brutvogel, sondern nur unregelmäßiger Wintergast, weshalb er in den Roten Listen als Durchzügler oder Wintergast geführt wird. Die größten Bedrohungen für die Art sind langfristige Klimaveränderungen in den borealen Wäldern und der Verlust beerenreicher Gehölze in den Überwinterungsgebieten. Insgesamt zeigt die Population jedoch keine besorgniserregenden Rückgangstendenzen.